
Ab 2000 v. Chr.
Der nördliche Zweig indoeuropäischer Thraker, die Daker und die Geten,
siedeln auf dem Gebiet der heutigen souveränen Staaten Rumänien und
Moldawien.
Ab 7. Jahrhundert v. Chr.
Die auf dem Gebiet der heutigen souveränen Staaten Rumänien und Moldawien
lebenden Geten und Daker betreiben Eisenverhüttung und -verarbeitung zu
Waffen, Arbeitsgeräten und Schmuck.
Etwa ab dieser Zeit gründen Griechen entlang der nordwestlichen
Schwarzmeerküste die Stadtstaaten Istros (heute Histria im Donaudelta; 657),
Tomis (heute Constanta; 550) und Kallatis (heute Mangalia nahe der Grenze zu
Bulgarien) und beginnen, mit den geto-dakischen Stämmen Handel zu treiben.
Die Griechen bringen Wein, Öl und andere Luxusartikel ins Land, während
diese dafür Getreide, Honig, Wachs und Sklaven erhalten.
Ab 80 v. Chr.
Dakerkönig Burebista einigt die geto-dakischen Stämme und erobert bis 48 v.
Chr. die griechischen Stadtstaaten an der heutigen rumänischen
Schwarzmeerküste.
Ab 29 v. Chr.
Die Schwarzmeerstädte und die Dobrudscha (heute rumänische Region am
westlich des Unterlaufs der Donau) werden von den Römern eingenommen.
106 n. Chr.
Nach jahrelanger heftigster Gegenwehr des Dakerkönigs Decebal nehmen die
Truppen des römischen Kaisers Trajan seine Hauptstadt Sarmizegtusa Regia
(Rumänien) ein und das Gebiet der heutigen souveränen Staaten Rumänien und
Moldawien wird zur römischen Provinz „Dacia“ (Dakien). In den Städten wird
Latein zur Umgangssprache und die Bevölkerung wird romanisiert (deshalb der
heutige Landesnahme Rumänien und die Ähnlichkeit der rumänischen Sprache mit
dem Italienischen, dem „modernen“ Latein).
271 n. Chr.
Aufgrund der ständigen Einfälle der Westgoten ziehen sich die Römer an die
Donaugrenze zurück, d.h. die Römerzeit im Gebiet der heutigen „Republika
Moldova“ (Republik Moldau bzw. Moldawien) ist beendet.
Ab 4. Jahrhundert
Das Gebiet der heutigen souveränen Staaten Rumänien und Moldawien wird in
stetem Wechsel von Hunnen, Awaren und Slawen heimgesucht, wobei ab dem 6.
Jahrhundert die Vermischung der dakisch-römischen Bevölkerung mit slawischen
Siedlern und die Aufnahme slawischer Sprach- und Kulturelemente in die
dakisch-römische Kultur zur Herausbildung des rumänischen Volkes führt, das
erstmals im 13. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Gebiet der heutigen „Republica
Moldova“ erwähnt wird.
Ab 17. Januar 395
Nach der Teilung des Römischen Reiches durch Kaiser Theodosius gehört die
Dobrudscha und das Gebiet südlich der Donau (Bulgarien) zum Oströmischen
(Byzantinischen) Reich (Hauptstadt Konstantinopel/Byzanz – heute Istanbul).
602 n. Chr.
Mit dem Fall des „Donau-Limes“ durch vordringende Slawenstämme ist die
Herrschaft des Oströmischen Reiches auch in der Dobrudscha und somit im
heutigen Rumänien beendet.
Ab 9. Jahrhundert
Vom heutigen Bulgarien aus gelangt das kyrillische Alphabet und die
christlich-orthodoxe Religion in das Gebiet des heutigen Rumänien.
Ab 1000 nach Christus
Die Magyaren (Ungarn) beginnen, vom Karpatenraum Besitz zu nehmen
(Transsilvanien). Die ungarischen Könige holen sich zur Kolonisierung und
zur Sicherung der Grenzen ihrer sieben Verwaltungsbezirke („Siebenbürgen“)
den Deutschen Ritterorden und deutsche Siedler ins Land, die allgemein als
„Sachsen“ bezeichnet werden, obwohl sie überwiegend von der Mosel und vom
Rhein stammen. Die Rumänen hingegen werden zumeist zu Leibeigenen bzw.
vertrieben.
Ab 1225 nach Christus
Der Deutsche Ritterorden muss Siebenbürgen verlassen, nachdem er versucht
hat, einen eigenen Staat zu gründen. Gleichzeitig werden die dem ungarischen
König treu ergebenen deutschen Siedler, die mittlerweile mehrere reiche
Städte gegründet haben, von König Andreas II. als „sächsische Nation“
anerkannt und erhalten das Selbstverwaltungsrecht.
Ab 1324 n. Chr.
Fürst Basarab (bis 1352) gelingt es, den Süden des heutigen Rumänien zum
Fürstentum Walachei zu vereinen, das bereits 1330 die ungarische Oberhoheit
abschütteln kann und vor allem unter Mircea cel Batrân (Mircea dem
Alten;1386-1418) politisch und wirtschaftlich erstarkt.
1362 n. Chr.
Bogdan I. gründet östlich der Karpaten das von Ungarn unabhängige Fürstentum
Moldau, das bald auch einen Großteil der heutigen „Republica Moldova“,
einige heutige ukrainische Gebiete im Norden (u.a. die sogenannte „Bukowina“)
und im Süden das heute ebenfalls zur Ukraine gehörende Gebiet zwischen
Dnjestr und Donau umfaßt.
Ab 1419
Die Dobrudscha wird von den aus Südosten vordringenden Osmanen (Türken)
erobert, die bereits seit Mitte des 14. Jahrhunderts Herren über die
kleinasiatische Halbinsel (ohne Konstantinopel) und Teile des Balkans sind.
Das Fürstentum Walachei stellt sich freiwillig unter die Oberhoheit der
Osmanen und leistet Tribut.
Ab 1448
Walachenfürst Vlad III. Tepes (Vlad der Pfähler) liefert sich mit den
Osmanen erbitterte Kämpfe und kann sie schließlich aus der Walachei
vertreiben. Doch bereits nach seinem Tod im Jahre 1477 gerät das Gebiet
wieder unter die Oberhoheit der Türken und muss horrende Tributzahlungen
leisten.
Ab 1456
Das Fürstentum Moldau unterwirft sich den Osmanen, die 1453 auch
Konstantinopel, die Hauptstadt des Byzantinischen Reiches eingenommen und
als „Istanbul“ zur Hauptstadt ihres rasch wachsenden Osmanischen Reiches
gemacht haben.
Ab 1470
Stefan cel Mare (Stephan der Große; 1454-1504) kann das Fürstentum Moldau
von der Oberhoheit der Osmanen befreien.
1511
Das Fürstentum Moldau gerät erneut unter die Oberhoheit des Osmanischen
Reiches.
1526
Transsilvanien (Siebenbürgen) wird nach der Niederlage der Ungarn bei Mohács
ebenfalls zu einem unter der Oberhoheit der Osmanen stehenden Fürstentum,
dem 1553 die sogenannte „Maramuresch“ (Region im Nordwesten des heutigen
Rumänien) angegliedert wird.
1593
Walachenfürst Mihai Viteazul (Michael der Tapfere) siegt mit Unterstützung
der österreichischen Habsburger über ein Türkenheer, besetzt die
Fürstentümer Transsilvanien und Moldau und gründet ein Einheitsreich, das
jedoch bereits nach seiner Ermordung im Jahre 1601 wieder zerbricht und
erneut unter osmanische Oberhoheit gerät.
1613
Gábor Bethlen wird Fürst von Siebenbürgen. Er erklärt die katholischen
Habsburger zu seinen Hauptfeinden. 1620 wird er zum ungarischen König
gewählt und erringt erste Erfolge gegen die österreichischen Habsburger.
1630
Während György Rákóczi I. die Erfolgspolitik seines Vorgängers
weiterverfolgt, muss sein Sohn György Rákóczi II. schwere Niederlagen sowohl
gegen die Habsburger als auch gegen die Türken einstecken. Nach seinem Tode
im Jahre 1660 wird Siebenbürgen endgültig Provinz des Osmanenreiches.
1664
Im „Frieden von Vasvár“ bestätigen die Habsburger den Türken die eroberten
Gebiete.
Ab 1683
Nach dem Scheitern der osmanischen Belagerung Wiens rücken die
österreichischen Habsburger allmählich wieder nach Osten vor.
1699
Nach schweren Niederlagen gegen die Österreicher verzichtet das Osmanische
Reich im „Frieden von Karlowitz“ auf ganz Ungarn und Siebenbürgen. Für die
Ungarn bedeutet dies zwar das Ende der Türkenherrschaft, gleichzeitig jedoch
den Beginn der Willkürherrschaft der Österreicher.
1703
Unter der Führung des Fürsten von Siebenburgen, Ferenc Rákoczi II., erheben
sich die Ungarn gegen die Herrschaft der Habsburger.
1711
Die Habsburger schlagen den Rákoczi-Aufstand nieder. Der ungarische Adel
schwört den Habsburgern wieder Treue, der Friede von Szatmár erkennt die
Autonomie des ungarischen Staates in der österreichischen Monarchie an.
Ab 1711
Nach gescheiterten Aufständen des Moldaufürsten Dimitrie Cantemir (er hatte
sich mit dem russischen Zaren Peter den Großen verbündet) bzw. des Fürsten
der Walachei, Constantin Brâncoveanu, gegen die Vorherrschaft der Osmanen
verpachtet Sultan Ahmed III. die Fürstentümer Moldau und Walachei (1716) an
griechische Kaufleute in Istanbul, die nach dem Stadtteil Phanar, wo der
griechisch-orthodoxe Patriarch residierte, Phanarioten genannt werden.
1718
Der westliche Teil des Fürstentums Walachei wird von den österreichischen
Habsburgern erobert, die nach Vertreibung der einheimischen Bevölkerung im
Banat (heute Südwest-Rumänien) deutsche Bauern ansiedeln („Banater
Schwaben“).
1775
Das Fürstentum Moldau verliert die südliche Bukowina (heute
Nordost-Rumänien) an die österreichischen Habsburger.
Ab 1783
Im unter der Oberhoheit der Habsburger stehenden Fürstentum Transsilvanien
wird ein Aufstand der rumänischen Bauern gegen die Leibeigenschaft blutig
niedergeschlagen.
Ab 1792
Rußland erobert in mehreren Feldzügen gegen die Osmanen bis 1812 ganz
Bessarabien, d.h. das Gebiet des heutigen souveränen Staates Moldawien
östlich des Flusses Pruth.
1821
In den noch unter der Oberhoheit der Osmanen stehenden Teilen der Walachei
und Moldaus werden nach Niederschlagung von Aufständen der Bevölkerung unter
Alexandru Ipsilantis bzw. Tudor Vladimirescu gegen die ausbeuterischen
griechischen Phanarioten wieder einheimische Fürsten eingesetzt.
Ab 1828
Beim Eingreifen Rußlands an der Seite der sich gegen die Osmanen erhebenden
Griechen besetzen russische Truppen die Walachei und Moldau, die 1831 mit
einer „Organischen Regelung“ unter russisches und osmanisches Protektorat
gestellt werden.
1848
Während eine Revolutionsbewegung nach französischem Vorbild in Moldau und
Walachei von türkischen und russischen Truppen blutig niedergeschlagen wird,
können sich die Rumänen unter der Führung von Avram Iancu in Transsilvanien
mehr Rechte erkämpfen.
30. März 1856
Aufgrund des Eingreifens Großbritanniens und Frankreichs zugunsten der
Türken verliert Rußland den sogenannten „Krimkrieg“ und damit u.a. den
größten Teil Bessarabiens, das nun wieder dem Fürstentum Moldau angegliedert
wird. Der Vertrag von Paris stellt die Fürstentümer Walachei und Moldau
unter osmanische Oberhoheit und den Schutz der Westmächte.
17. Januar 1859
Die Fürstentümer Moldau (einschließlich Bessarabiens) und Walachei einigen
sich auf Betreiben Napoléons III. auf einen gemeinsamen Herrscher, den
moldauischen Adligen Alexandru Ioan Cuza.
24. Dezember 1861
Alexandru Ioan Cuza proklamiert unter der Oberhoheit des Osmanischen Reiches
die Vereinigung der Moldau und der Walachei zum neuen Einheitsstaat „România“
(Rumänien) mit der Hauptstadt Bukarest. Mit einer Reformpolitik nach
französischem Vorbild beginnen Cuza und sein Ministerpräsident Mihai
Kogalniceanu, Wirtschaft und Gesellschaft zu modernisieren. U.a. durch die
Verteilung von Herrenland an die Bauern gerät Cuza jedoch bei der
Oberschicht (Adel und Klerus) schnell in Mißkredit und wird bereits im
Februar 1866 zum Rücktritt gezwungen. Als internationalen Prestigeträger
holt man (auf Empfehlung Napoléons III.) nun Karl von
Hohenzollern-Sigmaringen ins Land, (der 1877 für Rumänien die Unabhängigkeit
vom Osmanischen Reich erreicht, 1881 als Carol I. die Königswürde erhält und
bis zu seinem Tod im Jahre 1914 regiert).
1867
Transsilvanien, Maramuresch und Banat werden Ungarn angeschlossen und
„magyarisiert“.
1876
Der Nationalliberale Ion C. Bratianu wird Ministerpräsident des Fürstentums
Rumänien. Mit einer kurzen Unterbrechung im Jahr 1881 leitet er die
rumänische Politik bis 1888.
21. Mai 1877
Die parlamentarische Versammlung des Fürstentums Rumänien proklamiert
während des achten russisch-türkischen Krieges die Unabhängigkeit vom
Osmanischen Reich und stellt die Tributzahlungen ein.
13. Juli 1878
Der im Jahr zuvor begonnene achte russisch-türkische Krieg endet für die
Truppen des russischen Zaren Alexander II. mit einem Sieg über das
Osmanische Reich. Durch den „Berliner Vertrag“ zwischen den europäischen
Großmächten und dem Osmanischen Reich, der die Gebietsverteilung auf dem
Balkan neu ordnet, wird u.a. Bessarabien, d.h. das Gebiet des heutigen
souveränen Staates Moldau (Moldawien), wieder russisch, während die
Nord-Dobrudscha an Rumänien fällt, dessen Unabhängigkeit anerkannt wird.
26. März 1881
Das Parlament in Bukarest proklamiert das Fürstentum Rumänien zum
Königreich. Karl von Hohenzollern-Sigmaringen wird als Carol I. zum König
gekrönt.
1893
In Bukarest wird die „Sozialdemokratische Arbeiterpartei Rumäniens“
gegründet.
Februar 1907
Eine am 8. Februar begonnene Revolte rumänischer Kleinbauern gegen die
adligen Großgrundbesitzer (Bojaren) wird blutig niedergeschlagen. Dabei
kommen rund 11.000 Menschen ums Leben.
Juni 1913
Rumänien verbündet sich im zweiten Balkankrieg mit Serbien und Griechenland
gegen seinen südlichen Nachbarn Bulgarien und erhält im „Frieden von
Bukarest“ von Bulgarien die Süd-Dobrudscha.
10. Oktober 1914
Nach dem Tod von König Carol I. besteigt sein Sohn Ferdinand I. den
rumänischen Thron in Bukarest.
Ab 1916
An der Seite der Entente-Mächte Frankreich, Großbritannien und Rußland nimmt
Rumänien am Ersten Weltkrieg teil, wird jedoch fast bis zum Kriegsende
(1918) von Truppen der Mittelmächte (Deutschland, Österreich-Ungarn,
Bulgarien, Türkei) besetzt.
Januar 1920
Mit der Unterzeichnung der Pariser Friedensverträge gewinnt Rumänien den
Ostteil des Banats, ganz Transsilvanien (Siebenbürgen), die Bukowina, ganz
Bessarabien (wird von Sowjetrußland allerdings nicht anerkannt) sowie die
gesamte Dobrudscha und wird damit praktisch über Nacht zum Vielvölkerstaat
Groß-Rumänien (Verdoppelung des bisherigen Territoriums).
1921
Rumänien unterzeichnet Bündnisverträge mit der Tschechoslowakei, Jugoslawien
und Polen.
1923
Eine neue Verfassung macht Rumänien zur parlamentarischen Monarchie.
1925
Aufgrund schwerer innenpolitischer Spannungen muss König Ferdinand I. auf den
Thron verzichten.
20. Juli 1927
Nach dem Tod von König Ferdinand I. übernimmt ein Regentschaftsrat für
seinen sechsjährigen Enkel Mihai (Michael) die Amtsgeschäfte, da dessen
Vater, der 34jährige Carol, wegen eines Eheskandals auf den Thron verzichten
muss.
1928
Erste freie Wahlen in Rumänien enden mit dem Sieg der „Nationalen
Bauernpartei“ unter Regierungschef Iuliu Maniu. Aufgrund großer
wirtschaftlicher Probleme kommt es im Agrarstaat Rumänien in den nächsten
Jahren zu schweren innenpolitischen Spannungen und zahlreichen
Regierungswechseln.
7. Juni 1930
König Mihai I. muss zugunsten seines vom Parlament zurückgeholten Vaters
Carol abdanken, unter dessen Regentschaft die faschistische Partei „Eiserne
Garde“ in Rumänien zunehmend an Einfluß gewinnt. Carol II. selbst beschränkt
die Meinungsfreiheit, erläßt Gesetze zur Unterdrückung der jüdischen
Minderheit und lehnt sich, vorwiegend aus wirtschaftlichen Gründen, näher an
Deutschland an.
1933
Rumänien unterzeichnet einen Nichtangriffspakt mit der UdSSR, die nun auf
Bessarabien verzichtet.
Das vor dem Staatsbankrott stehende Rumänien wird bis 1937 unter die
Finanzkontrolle des Völkerbunds gestellt.
1938
Nach dem Wahlsieg der rechtsextremen Gardisten setzt König Carol II. die
Verfassung außer Kraft, läßt alle politischen Parteien verbieten und
übernimmt selbst die Regierungsgeschäfte.
Juni 1940
Aufgrund des Hitler-Stalin-Pakts – der sowjetische Diktator Josef Stalin und
sein deutscher „Kollege“ Adolf Hitler hatten sich in einem Geheimabkommen am
23. August 1939 auf die Aufteilung Polens und Ostmitteleuropas zwischen der
UdSSR und Deutschland geeinigt – besetzt die sowjetische „Rote Armee“
Bessarabien und die Nord-Bukowina, ungarische Truppen marschieren in
Nord-Transsilvanien und bulgarische in die Dobrudscha.
6. September 1940
König Carol II. ernennt unter deutschem Druck General Ion Antonescu zum
Regierungschef mit unbeschränkten Vollmachten, der ihn noch am selben Tag
zur Abdankung zugunsten seines Sohnes, des Ex-Königs Mihai I., zwingt.
18. Januar 1941
Mit Hilfe der rechtsextremen „Eisernen Garde“ macht sich General Ion
Antonescu zum Alleinherrscher über Rumänien und ruft den faschistischen
„Nationalen Staat der Legionäre“ aus.
Als die „Eiserne Garde“ mehr politische Macht verlangt, läßt Antonescu auch
sie verbieten und in der Folgezeit zigtausende Widerstandskämpfer
hinrichten.
In der Hoffnung, die verlorengegangenen Gebiete zurückzubekommen, verbündet
er sich mit dem Deutschen Reich, wodurch den rumänischen Truppen beim
Angriff der Deutschen auf die UdSSR im Juni wieder der Einzug in Bessarabien
und der Bukowina gelingt.
Obwohl sich Ion Antonescu gegen die Deportation der rumänischen Juden ins
polnische Konzentrationslager Auschwitz stellt, läßt er die in Bessarabien
und in der Bukowina lebenden Juden sowie die rumänischen Roma in eigenen
Straflagern internieren, wo etwa 100.000 von ihnen ihr Leben verlieren. Im
weiteren Verlauf des Krieges finden auch unzählige rumänische Soldaten den
Tod, u.a. vor Stalingrad im Winter 1942/43.
1944
König Mihai I. nimmt Geheimverhandlungen mit den Westmächten und mit der
UdSSR auf, deren Truppen bereits wieder in Bessarabien stehen und in
Richtung Bukarest vorrücken. Am 23. August läßt er Ion Antonescu inhaftieren
und erklärt dem Deutschen Reich völlig überraschend den Krieg. (Ion
Antonescu wird am 1. Juni 1946 als Kriegsverbrecher erschossen.) Die 1938
suspendierte Verfassung von 1923 wird wieder in Kraft gesetzt.
Bis Ende August wird ganz Rumänien von der sowjetischen „Roten Armee“
besetzt.
12. September 1944
Rumänien und die UdSSR unterzeichnen einen Friedensvertrag. Rumänien muss
endgültig auf Bessarabien und die Nord-Bukowina verzichten und an die
Sowjetunion extrem hohe Wiedergutmachungszahlungen leisten.
März 1945
Auf sowjetischen Druck hin übernimmt in Rumänien die von Kommunisten und
Sozialisten dominierte „Nationaldemokratische Front“ unter Petru Groza die
Macht. In einer Bodenreform wird Landbesitz von Deutschen sowie von
„Kollaborateuren“ und Besitz von über 50 Hektar im allgemeinen
verstaatlicht.
Rumänien erhält Nord-Siebenbürgen wieder zurück, die Süd-Dobrudscha
verbleibt jedoch bei Bulgarien.
10. Februar 1947
In den Pariser Friedensverträgen werden die Grenzen Rumäniens endgültig
festgelegt.
(Mit 238.391 Quadratkilometern ist Rumänien etwa zwei Drittel so groß wie
Gesamt-Deutschland.)
30. Dezember 1947
König Mihai I. wird zur Abdankung und zur Emigration gezwungen. Am selben
Tag wird die „Republika Populara România“ (Volksrepublik Rumänien)
ausgerufen, die wenig später eine an der Sowjetunion orientierte Verfassung
erhält. Die kommunistische und die sozialistische Partei fusionieren zur
Einheitspartei RAP (Rumänische Arbeiterpartei) unter Führung des absolut „Moskau-treuen“
Georghe Georghiu-Dej, der bis zu seinem Tod im Jahre 1965 der unumstrittene
Machthaber in Rumänien bleiben soll. Alle übrigen Parteien werden
ausgeschaltet. Industrie und Handel werden verstaatlicht, die Landwirtschaft
kollektiviert und das Gesellschaftssystem in enger Anlehnung an die UdSSR
„umgestaltet“. Zigtausende Intellektuelle und Oppositionelle verschwinden in
Zwangsarbeitslagern.
2. April 1948
Constantin Parhon wird Staatsoberhaupt Rumäniens.
25. Januar 1949
Die UdSSR, Bulgarien, Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei und Ungarn
gründen die Wirtschaftsgemeinschaft COMECON (Council for Mutual Economic
Assistance bzw. Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe – auch RGW), der 1950
auch die „Deutsche Demokratische Republik“ (DDR) und Albanien angeschlossen
werden.
3. Juni 1952
Petru Groza wird Staatsoberhaupt Rumäniens.
14. Mai 1955
Als Gegengewicht zum westlichen Verteidigungsbündnis NATO (North Atlantic
Treaty Organization) gründet die UdSSR (kurz nach dem Betritt der
Bundesrepublik Deutschland zur NATO) mit den in ihrem Machtbereich
befindlichen Volksdemokratien den „Warschauer Pakt“ (Polen,
Tschechoslowakei, DDR, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Albanien).
11. Januar 1958
Ion Georghe Maurer wird Staatsoberhaupt Rumäniens.
1958
Parteichef Georghe Georghiu-Dej erreicht, dass die in Rumänien stationierten
sowjetischen Truppen abgezogen werden.
21. März 1961
Parteichef Georghe Georghiu-Dej übernimmt auch das Amt des rumänischen
Staatsoberhaupts. Er leitet nun eine vorsichtige Distanzierung zur UdSSR
ein.
1963
Beginn der politischen Verselbständigung gegenüber Moskau und einer
teilweisen Öffnung gegenüber dem Westen bzw. westlichen Besuchern unter
Regierungschef Ion Georghe Maurer.
24. März 1965
Nach dem Tod von Georghe Georghiu-Dej wird Chivu Stoica neues rumänisches
Staatsoberhaupt. Neuer RAP-Chef wird Nicolae Ceaucescu, der für die
Umbenennung der Partei in „Kommunistische Partei Rumäniens“ (KPR) sorgt.
21. Juni 1965
Rumänien wird in „Republika Socialista România“ (Sozialistische Republik
Rumänien) umbenannt.
9. Dezember 1967
Parteichef Nicolae Ceaucescu übernimmt auch das Amt des rumänischen
Staatsoberhaupts. Er distanziert sich immer mehr von der Sowjetunion und
nähert sich der VR China an. Innenpolitisch übt er mehr und mehr persönliche
Macht aus und besetzt wichtige Ämter mit Verwandten bzw. ihm treu Ergebenen.
Die wirtschaftlichen Probleme Rumäniens führen zu einem immer düsteren
sozialen Klima, während die Regierung immer zentralistischer und repressiver
wird.
20. August 1968
Der Reformsozialismus in der CSSR („Prager Frühling“) wird durch den
Einmarsch einer 400.000 Mann starken Warschauer-Pakt-Truppe (UdSSR, DDR,
Polen, Ungarn, Bulgarien) in die Tschechoslowakei beendet. Rumänien
beteiligt sich nicht an der Intervention, und Albanien, das den Einmarsch
ebenfalls verurteilt, tritt aus dem Verteidigungsbündnis aus.
8. Dezember 1972
Als erstes Land des Ostblocks tritt Rumänien dem Internationalen
Währungsfonds (IWF) bei.
1974
Eine Verfassungsänderung führt in Rumänien das Amt des Staatspräsidenten mit
umfassenden Vollmachten ein, das von Nicolae Ceaucescu besetzt wird. Damit
wird die Machtstellung des „Conducators“ (Führer) weiter gefestigt, der sich
nun mit Hilfe seiner Geheimpolizei „Securitate“ zum despotischen
Alleinherrscher „à la Stalin“ entwickelt und einen geradezu absurden
Personenkult um sich selbst und seine Familie errichtet. Intellektuelle
werden ausgeschaltet, die Auslandskontakte der Bevölkerung so gut wie
verboten. Vor allem die Lage der Minderheiten (Ungarn, Deutsche, Roma,
Juden, Ukrainer), denen es bisher relativ gut ging, verschlechtert sich
rapide. Aufkommende Unruhen werden sofort aufs brutalste im Keim erstickt.
Juli 1975
Sintflutartige Regenfälle führen in Rumänien zu einer Flutkatastrophe, die
einen Großteil der Ernte vernichtet.
1976
Als erster Warschauer-Pakt-Staat nach der Sowjetunion nimmt Rumänien
diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland und den USA auf.
4. März 1977
Ein Erdbeben,
das vor allem in der Hauptstadt Bukarest schwere Schäden anrichtet und
zahlreichen Menschen das Leben kostet (eine Zahl wird nie bekanntgegeben),
hat für die rumänische Wirtschaft katastrophale Folgen.
1978
Queen Elizabeth II. von Großbritannien schlägt den rumänischen Staats- und
Regierungschef Nicolae Ceaucescu als Anerkennung für seine (angebliche)
mutige Gratwanderung zwischen Ost und West zum Ritter. Wenig später
berichtet der ehemalige rumänische Chefnachrichtendienstler Ion Pacepa im
Westen über den herrschenden Terror in Rumänien.
September 1979
Der Einmarsch sowjetscher Truppen in Afghanistan wird von der rumänischen
Staatsführung scharf kritisiert.
Ab 1980
Rumänien gilt weltweit als nicht mehr kreditwürdig. Obwohl der Großteil der
rumänischen Bevölkerung ohnehin in bitterster Armut lebt, startet Staats-
und Parteichef Nicolae Ceaucescu zur Reduzierung der Auslandsverschuldung
nun ein rigoroses Sparprogramm im Konsum- und Sozialbereich, das der
Bevölkerung das Äußerste abverlangt (u.a. Exportsteigerung auf Kosten der
Inlandversorgung, drastische Einschränkung des privaten Energieverbrauchs,
Lohnkürzungen). Gleichzeitig läßt er aber Prestige-Großbauten wie z.B. den
64 Kilometer langen Donau-Schwarzmeerkanal (Einweihung Mai 1984) errichten
oder in Bukarest einen großen Teil des historischen Altstadtkerns
niederwalzen (u.a. Abriß von Kirchen), um Platz für überdimensionale
Prachtbauten zu schaffen. Demonstrationen und Streiks u.a. gegen
Lohnkürzungen, Rationalisierungen und Diskriminierung der Minderheiten
werden von Miliz und Geheimpolizei blutig niedergeschlagen.
1982
Diktator Nicolae Ceaucescu verabschiedet ein Auswanderungssteuergesetz
(„Kopfgeld-Dekret“). Die Auswanderungswilligen (überwiegend Deutsche und
Juden) müssen ihre „Schulden“ gegenüber dem Staat in (verbotener)
konvertierbarer Währung begleichen.
Juli 1984
Rumänien nimmt als einziges COMECON-Land an den Olympischen Sommerspielen in
Los Angeles teil.
Mai 1988
Staats- und Parteichef Nicolae Ceaucescu bestreitet energisch aufkommende
Gerüchte, dass er tausende Dörfer mit überwiegend deutscher und ungarischer
Bevölkerung dem Erdboden gleichmachen wolle, um neue Agrarflächen zu
schaffen. Doch genau damit läßt er nach Verabschiedung des so genannten
„Systematisierungsgesetzes“ beginnen. Vor allem in der Walachei werden
unzählige über Jahrhunderte hinweg gewachsene dörfliche Strukturen zerstört.
Die Bewohner werden in die Vorstädte zwangsumgesiedelt, wodurch sich die
prekäre wirtschaftliche Lage Rumäniens noch weiter verschärft.
Juli 1988
Nicolae Ceausescu verurteilt die ungarischen Demokratiebewegungen, schließt
die Grenzen zu Ungarn und führt trotz der sich abzeichnenden politischen
Wende in den übrigen Ostblockstaaten seine von stalinistischen
Terrormethoden geprägte Innenpolitik unbeirrt weiter. Der Diktator kann sich
zwar rühmen, Rumäniens Auslandsschulden fast völlig getilgt zu haben, doch
die Bevölkerung lebt mittlerweile in vollkommenem Elend.
November 1988
Mit der Ausweisung des rumänischen Botschafters aus Ungarn erreichen die
rumänisch-ungarischen Beziehungen einen absoluten Tiefpunkt.
Dezember 1989
Eine von Temesvar (Timisoara) im Banat ausgehende landesweite Volkserhebung
gegen das Ceaucescu-Regime führt zu einem von der Miliz und der berüchtigten
Geheimpolizei „Securitate“ veranstalteten Blutbad unter der Bevölkerung. Das
Blatt wendet sich erst, als sich das Militär dem Aufstand anschließt. Am 22.
Dezember wird Nicolae Ceaucescu gestürzt und nach Aburteilung von einem
Sondergericht zusammen mit seiner Frau Elena am 25. Dezember an einem
unbekannten Ort hingerichtet. Der Revolutionsrat „Front zur nationalen
Rettung“, der sich aus ehemaligen kommunistischen Führungskräften, Militärs
und Dissidenten zusammensetzt, übernimmt unter dem Vorsitz von Ion Iliescu
und Petru Roman die Macht. Die „Sozialistische Republik Rumänien“ wird zur
„Republik Rumänien“ erklärt und das Mehrparteiensystem eingeführt.
21. März 1990
Im siebenbürgischen Neumarkt kommt es zwischen nationalistischen Rumänen und
der ungarischen Minderheit zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen, die Tote und
Verletzte fordern.
20. Mai 1990
Die „Front zur Nationalen Rettung“ (FDSN), die sich inzwischen als Partei
konstituiert hat, gewinnt die ersten freien Wahlen in Rumänien mit
überwältigender Mehrheit. Die Opposition spricht von massiver
Wahlbeeinflussung. Ex-Kommunist Ion Illiescu wird direkt vom Volk im Amt des
Staatspräsidenten bestätigt. Ministerpräsident wird Petru Roman.
1991
Gemäß der neuen Verfassung werden der rumänische Staatspräsident, der über
umfangreiche Vollmachten verfügt, und das aus Abgeordnetenhaus (328 Sitze)
und Senat (143 Sitze) bestehende Parlament künftig alle vier Jahre direkt
vom Volk gewählt. In der Verfassung verankert sind auch die Rechte der
nationalen Minderheiten (etwa 1,6 Millionen Ungarn, ca. 1,5 Millionen Roma
und rund 85.000 Deutsche. Trotzdem kommt es vor allem gegen die Zigeuner
immer wieder zu von der Regierung geschürten rassistischen Gewalttaten.
1. April 1991
Einhergehend mit dem Zerfall der Sowjetunion werden der „Warschauer Pakt“
und die Wirtschaftsgemeinschaft COMECON aufgelöst.
21. April 1992
In Bukarest unterzeichnen der deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher
und sein rumänischer Amtskollege Adrian Nastase einen Freundschaftsvertrag
zwischen ihren beiden Ländern.
1. September 1992
Die rumänische Regierung verschärft die Einreisebedingungen für Bürger aus
24 Staaten. Diese müssen ab sofort eine behördlich beglaubigte Einladung,
einen Mindestgeldbetrag sowie ein Rückflugticket bzw. eine Rückfahrkarte
vorweisen können. Die Regelung gilt vor allem für arabische Staaten und
Länder der Dritten Welt, aber auch für alle ehemaligen Sowjetrepubliken
außer Moldau sowie für Albanien.
27. September 1992
Bei den Präsidentschaftswahlen erringt Amtsinhaber Ion Iliescu knapp 48
Prozent der Stimmen. Auf den Kandidaten der oppositionellen „Demokratischen
Konvention“, Emil Constantinescu, entfallen knapp 20 Prozent. Da keiner die
absolute Mehrheit erreicht, müssen im Oktober Stichwahlen durchgeführt
werden.
Wegen der Zersplitterung der Oppositionsparteien bleibt die von
Alt-Kommunisten dominierte FDSN auch nach den am selben Tag durchgeführten
Wahlen zum Abgeordnetenhaus und Senat stärkste politische Kraft in Rumänien.
11. Oktober 1992
Rumäniens Präsident Ion Illiescu wird in der Stichwahl mit über 60 Prozent
der Stimmen im Amt bestätigt. Er ernennt Anfang November den parteilosen
Wirtschaftsexperten Nicolae Vacaroiu zum neuen Regierungschef.
1992
Auf Initiative der Türkei wird zur Förderung der wirtschaftlichen
Zusammenarbeit zwischen den Schwarzmeerstaaten (Türkei, Ukraine, Bulgarien,
Georgien, Griechenland, Moldawien, Rumänien, Rußland) die
„Schwarzmeerkonferenz“ ins Leben gerufen. Künftig sollen jährliche
Gipfeltreffen der jeweiligen Staats- und Regierungschefs stattfinden.
Neuer Regierungschef wird der Alt-Kommunist Nicolae Vacaroiu.
Ende Februar 1993
An einem Generalstreik aus Protest gegen Kaufkraftverlust und für
Lohnerhöhungen beteiligen sich in ganz Rumänien mindestens 2,5 Millionen
Arbeitnehmer.
Mitte 1993
Die „Demokratische Front der nationalen Rettung“ von Präsident Ion Iliescu
wird in „Sozialdemokratische Partei Rumäniens“ umbenannt.
Der IWF (Internationaler Währungsfonds) sagt Rumänien zur Unterstützung
seines Wirtschaftsreformprogramms (u.a. Privatisierung von Staatsbetrieben)
Kredite in Höhe von rund 455 Millionen US-Dollar zu.
Zigtausende gehen in Bukarest auf die Straße und fordern den Rücktritt von
Staatspräsident Ion Illiescu und der Regierung von Nicolae Vacaroiu, der man
Unfähigkeit und Korruption vorwirft, sowie Lohnerhöhungen.
Oktober 1993
Rumänien wird Vollmitglied im Europarat sowie assoziiertes Mitglied der
Europäischen Union. Die Parlamentarische Versammlung des Europarats hatte
der Aufnahme unter dem Vorbehalt zugestimmt, dass Änderungen im rumänischen
Rechts- und Verfassungssystem bezüglich Minderheitenschutz, Gewaltenteilung
und Pressefreiheit auch umgesetzt werden.
1994
Rumänien schließt sich dem NATO-Programm „Partnerschaft für den Frieden“ an.
Landesweit kommt es immer wieder zu umfangreichen Arbeitsniederlegungen und
Demonstrationen gegen die von Alt-Kommunisten dominierte Regierung, die man
für den noch immer sinkenden Lebensstandard aufgrund einer verfehlten
Wirtschaftspolitik verantwortlich macht.
Internationale Menschenrechtsorganisationen werfen der rumänischen Regierung
Menschenrechtsverletzungen vor allem gegenüber den Zigeunern, aber auch
Mißhandlung und Folterung von Gefangenen vor.
Mitte Mai 1994
Der deutsche Bundespräsident Roman Herzog verspricht der rumänischen
Regierung während eines Aufenthalts in Rumänien Unterstützung beim Übergang
zur Marktwirtschaft sowie bei der angestrebten Integration in EU und NATO.
Zudem fordert er die überwiegend in Siebenbürgen lebende deutschstämmige
Minderheit auf, in Rumänien zu bleiben und verspricht auch ihnen Hilfe.
(Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten in Rumänien rund 400.000 Deutsche, heute
sind es nur noch rund 85.000.)
Dezember 1994
Die Auslandsverschuldung Rumäniens liegt derzeit bei rund 4,5 Milliarden
US-Dollar.
Das sechste Mißtrauensvotum seit 1992 gegen die Regierung von Nicolae
Vacariou scheitert im Abgeordnetenhaus mit 206 gegen 249 Stimmen. Die
Opposition begründete auch diesen Antrag mit dem Versagen in der
Wirtschaftspolitik.
1995
Rumänien beantragt formell die Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft.
Das Parlament verabschiedet ein Gesetz zur Beschleunigung der
Privatisierung. Neben der Vergabe von Privatisierungsgutscheinen an alle
volljährigen Staatsbürger, die in Aktien von zur Privatisierung vorgesehenen
Staatsbetrieben (etwa 3.000) eingetauscht werden können, sollen rund 45
Prozent dieser Unternehmen an in- und ausländische Investoren verkauft
werden.
Ein von Präsident Ion Illiescu in Kraft gesetztes Gesetz sieht vor, dass in
den Schulen des Landes nicht mehr die „Geschichte Rumäniens“ sondern die
„Geschichte der Rumänen“ unterrichtet wird und dass Prüfungen an den höheren
Schulen nur noch in rumänischer Sprache absolviert werden dürfen. Sowohl die
nationalen Minderheiten in Rumänien als auch der Europarat reagieren mit
heftiger Kritik.
12. Februar 1996
Das rumänische Parlament verabschiedet das „Staatsgeheimnisgesetz“, das die
Regierung ermächtigt, Vorgänge und Dokumente im Bereich der nationalen
Sicherheit, des Verteidigungs- und Währungssystems sowie der Außenpolitik
geheimzuhalten.
Während das Pro-Kopf-Einkommen auf etwa 70 Prozent des Standes von 1991
abgesunken ist, hat sich die Auslandsverschuldung Rumäniens aufgrund von
Mißwirtschaft mittlerweile auf fast 6,5 Milliarden US-Dollar erhöht. IWF und
Weltbank haben wegen Nichterfüllung von wirtschaftlichen Reformauflagen die
Auszahlung von weiteren fast 300 Millionen US-Dollar an Rumänien
suspendiert.
16. September 1996
Regierungschef Nicolae Vacaroiu und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn
unterzeichnen den ungarisch-rumänischen Grundlagenvertrag. Die
Vertragspartner erkennen die Unverletztlichkeit der gemeinsamen Grenze an,
verzichten auf jegliche territoriale Ansprüche und garantieren die Rechte
der jeweils zur anderen Nationalität gehörenden ethnischen Minderheiten. (In
Rumänien leben etwa 1,6 Millionen Ungarn.)
November 1996
Das oppositionelle konservativ-liberale Parteienbündnis „Demokratische
Konvention“ (CDR) von Emil Constantinescu erringt bei den Parlamentswahlen
am 2. November sowohl für die Abgeordnetenkammer als auch für den Senat
knapp 31 Prozent der Stimmen und wird damit stärkste politische Kraft in
Rumänien, gefolgt von der „Sozialdemokratischen Union“ (USD). Die
gleichzeitig durchgeführten Präsidentschaftswahlen ergeben für keinen der 16
Kandidaten die absolute Mehrheit. Bei der Stichwahl am 17. November kann
sich allerdings der 56jährige ehemalige Rektor und Geologie-Professor der
Bukarester Universität, Emil Constantinescu, gegen seinen Hauptkonkurrenten,
Amtsinhaber Ion Illiescu, mit fast 55 Prozent der Stimmen durchsetzen. Nach
seiner Vereidigung am 29. November ernennt Constantinescu den erst vor
wenigen Monaten zum Bürgermeister von Bukarest ernannten Rechtsanwalt Victor
Ciorbea – er ist Vorstandsmitglied der „Christlich-Demokratischen Nationalen
Bauernpartei“ (PNTCD) – zum neuen Ministerpräsidenten einer
konservativ-liberalen Koalitionsregierung von CDR und USD. Erstmals seit
1945 werden in das 28köpfige Kabinett auch zwei Vertreter der „Ungarischen
Demokratischen Union“ aufgenommen. Erste wirtschaftspolitische Maßnahmen der
neuen Regierung sind die Senkung der Einkommenssteuer, Einführung einer
Mindestrente sowie Erleichterungen von Auslandsinvestitionen.
15. Februar 1997
Regierungschef Victor Ciorbea legt angesichts der katastrophalen
Wirtschaftslage Rumäniens ein umfangreiches „Programm zur Rettung der
nationalen Wirtschaft“ vor, das radikale Reformen (Privatisierung von rund
3.600 Staatsbetrieben, Preisfreigabe, Schließung unrentabler Unternehmen,
Sparmaßnahmen) beinhaltet. Insgesamt sollen bis 1999 drei Erdölraffinerien,
20 Industriebetriebe und ein Drittel der 100 Kohlengruben geschlossen
werden. Um den nicht zu vermeidenden Anstieg der Arbeitslosenquote und der
Preise für Konsumgüter sozial verträglich zu machen, sollen die
Sozialleistungen erhöht werden. Darüber hinaus will man mit aller Härte
gegen die überhandnehmende Korruption und Banden-Kriminalität vorgehen.
28. Februar 1997
Der rumänische Ex-König Mihai I. (Michael) und seine Frau Anna von
Bourbon-Parma treffen zu einem sechstägigen Rumänien-Besuch in Bukarest ein
und werden von Hunderten von Anhängern stürmisch begrüßt.
12. März 1997
Beim Besuch des neuen rumänischen Regierungschefs Victor Ciorbea in der
ungarischen Hauptstadt Budapest werden verschiedene Wirtschaftsabkommen
zwischen Ungarn und Rumänien unterzeichnet.
21. Juni 1997
Ein Hagelsturm fegt über Rumänien hinweg, wobei sieben Menschen von eigroßen
Hagelkörnern erschlagen und mindestens weitere 70 verletzt werden.
8. Juli 1997
Die Staats- und Regierungschefs der 16 NATO-Staaten einigen sich auf dem
Gipfeltreffen in Madrid auf eine Aufnahme von Polen, Tschechien und Ungarn
in das westliche Verteidigungsbündnis für 1999. Der Aufnahmeantrag von
Rumänien und Slowenien wird abgelehnt.
11. Juli 1997
Bill Clinton ist der erste Präsident der USA seit 20 Jahren, der Rumänien
besucht. Er hatte zwar die Ablehnung einer Aufnahme Rumäniens in die NATO
durchgesetzt, bietet der Regierung in Bukarest nun aber eine „strategische
Partnerschaft“ an, die den Weg in eine Vollmitgliedschaft des
Verteidigungsbündnisses ebnen kann.
13. Juli 1997
Die EU-Kommission in Straßburg empfiehlt dem EU-Parlament die Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen in die EU mit Ungarn, Polen, Tschechien, Slowenien,
Estland und Zypern. Die übrigen Bewerberstaaten Slowakei, Rumänien,
Bulgarien, Lettland und Litauen würden die für eine Aufnahme notwendigen
politischen und wirtschaftlichen Kriterien (noch) nicht erfüllen.
Anfang August 1997
Schwere Stürme und Überschwemmungen lösen im Süden Rumäniens Erdrutsche aus.
Dabei werden zahlreiche Häuser unter den Schlammmassen begraben und mehrere
Dörfer vom Telefon- und Stromnetz abgeschnitten.
3. November 1997
Mit dem Ziel, die Spannungen zwischen ihren Staaten abzubauen und die
Wirtschaftsbeziehungen zu fördern, kommen auf der griechischen Insel Kreta
die Staats- und Regierungschef der sieben Balkanländer Griechenland, Türkei,
Bulgarien, Albanien, Makedonien, Rumänien und Jugoslawien (Serbien und
Montenegro) zu einem zweitägigen Gipfeltreffen zusammen; Bosnien-Herzegowina
entsendet nur seinen Vize-Außenminister zu den Gesprächen, und Kroatien
sowie Slowenien schicken überhaupt keinen Vertreter nach Heraklion, da sie
sich nicht als Balkanstaaten betrachten.
26. November 1997
In Bukarest findet ein Gipfeltreffen zwischen Staatspräsident Emil
Constaninescu und seinem polnischen Amtskollegen Aleksander Kwasniewski
sowie dem Staatsoberhaupt der Ukraine, Leonid Kutschma, statt. Die drei
Länder, die erst Anfang des Jahres ihre langwährenden Konflikte
untereinander mit diversen Freundschaftsabkommen beigelegt haben, wollen
ihre Zusammenarbeit in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen nun vertiefen.
Januar 1998
Die Uneinigkeit der Koalitionspartner hinsichtlich des von Regierungschef
Victor Ciorbea 1997 vorgelegten Reformprogramms, das deswegen wieder ins
Stocken geraten ist, führt zu einer schweren Regierungskrise, die Ende März
mit dem Rücktritt von Ciorbea endet. Neuer Ministerpräsident wird Mitte
April der Vorsitzende der PNTCD, Radu Vasile.
Mitte Juni 1998
Eine Hochwasser-Katastrophe, ausgelöst durch tagelange sintflutartige
Regenfälle, fordert in Rumänien mindestens 20 Tote.
31. Dezember 1998
Die Auslandsverschuldung Rumäniens ist inzwischen auf über acht Milliarden
US-Dollar angestiegen und der Lebensstandard sinkt trotz eines leichten
Wirtschaftswachstums weiter. In Anbetracht des mittlerweile erfolgreich
angelaufenen Reformprogramms – u.a. wurden bisher etwa 85 Prozent der
landwirtschaftlich nutzbaren Fläche an die früheren Besitzer zurückgegeben
und der Privatisierungsprozess der Staatsunternehmen wird voraussichtlich bis
Ende 2000 abgeschlossen sein – geben IWF und Weltbank Rumänien trotzdem neue
Kreditzusagen von insgesamt rund 1,4 Milliarden US-Dollar. Ein Teil davon
soll für eine weitere Verbesserung der Infrastruktur und den Ausbau der
Tourismusbranche, die längst zu einer bedeutenden Devisenquelle geworden
ist, verwendet werden. Eines der Touristenziele ist das fast 5.640
Quadratkilometer große Donau-Delta, das mit unzähligen Kanälen,
Schilfinseln, dichten Wäldern und etwa 300 verschiedenen Vogelarten eines
der letzten Naturparadiese Europas ist. So richtig „powern“ will Rumänien in
Sachen Fremdenverkehr mit der Sonnenfinsternis am 11. August 1999. Laut NASA
soll man die zwei Minuten und 23 Sekunden dauernde totale Sonnenfinsternis
am besten von der rumänischen Stadt Ramnicu Valcea aus beobachten können,
und Bukarest ist sogar die einzige Hauptstadt, die kurzzeitig keinen
einzigen Sonnenstrahl abbekommt. Dort wird der weltberühmte Tenor Luciano
Pavarotti vor dem „Haus des Volkes“ das Naturschauspiel besingen.
Januar 1999
Die Regierung, die seit 1997 zahlreiche unrentable Minen geschlossen und
rund 90.000 Bergarbeiter entlassen hat, kündigt die Schließung weiterer
unrentabler Zechen an, u.a. vier im Kohleabbaurevier Schiltal. Daraufhin
treten dort rund 20.000 Kumpel in Streik.
19. Januar 1999
Bei Zusammenstößen zwischen rund 10.000, vom Kohlerevier Schiltal in
Richtung Bukarest marschierenden, streikenden Bergarbeitern, und
Spezialtruppen der rumänischen Polizei werden zahlreiche Menschen verletzt.
Die Kumpel fordern neben einer Lohnerhöhung von 35 Prozent bzw. einer
Abfindung von 10.000 US-Dollar im Falle einer Entlassung und der
Wiedereröffnung von zwei bereits geschlossenen Zechen auch die Entlassung
mehrerer Minister. Staatspräsident Emil Constantinescu erklärt, dass er alle
gesetzlichen Mittel ausschöpfen werde, um eine Störung der öffentlichen
Ordnung zu verhindern.
22. Januar 1999
Nach mehrstündigen Verhandlungen einigt sich der rumänische Regierungschef
Radu Vasile mit dem radikalen Gewerkschaftsführer Miron Cozma, der bereits
im Jahre 1991 einen Marsch der Bergleute in Richtung Bukarest organisiert
hatte: Vasile verspricht eine Erhöhung der Löhne und die Wiedereröffnung von
zwei Kohlezechen unter der Bedingung, dass sich die Gewerkschaft an deren
Sanierung mit dem Ziel beteiligt, sie bis 2004 aus den roten Zahlen
herauszuführen. Daraufhin brechen die streikenden Bergarbeiter ihren
Protestmarsch in Richtung Bukarest ab, womit die Gefahr eines Bürgerkriegs
in Rumänien offenbar gebannt ist.
16. Februar 1999
Bergarbeiterführer Miron Cozma wird für den von ihm initiierten
Protestmarsch von rund 5.000 Bergleuten auf Bukarest im Jahre 1991 – bei
Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften waren damals mehrere Menschen ums
Leben gekommen und einige Hundert verletzt worden – vom Obersten Gericht in
Bukarest in Abwesenheit zu 18 Jahren Haft verurteilt. Daraufhin streiken
erneut tausende Kumpel in den rumänischen Bergwerken und Cozma bricht mit
einigen hundert Bergleuten von Petrosani aus zu einem neuen Marsch in
Richtung Hauptstadt auf. Gleichzeitig kündigen die Anwälte Cozmas an, sie
wollten beim Obersten Gericht eine Verschiebung der Festnahme ihres
Mandanten um drei Monate beantragen sowie beim Staatspräsidenten um seine
Begnadigung ersuchen.
17. Februar 1999
Rumänische Sicherheitskräfte beenden in stundenlangen Straßenschlachten den
neuerlichen Protestzug von Bergarbeitern auf Bukarest. Dabei kommt
mindestens ein Demonstrant ums Leben, Dutzende werden verletzt. Rund 500
Demonstranten werden festgenommen, darunter auch Gewerkschaftsführer Miron
Cozma, der am Vortag in Abwesenheit vom Obersten Gericht in Bukarest zu 18
Jahren Haft verurteilt worden war.
28. Februar 1999
Um die Bedingungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für die Gewährung
weiterer Kredite zu erfüllen, setzt Regierungschef Radu Vasile im Parlament
die Verabschiedung eines radikalen Sparhaushalts für 1999 durch.
21. März 1999
Die Führung in Bukarest, die bereits im Oktober 1998 den Luftraum über
Rumänien für NATO-Flüge unter der Voraussetzung freigegeben hat, dass diese
aus humanitären Gründen zur Rettung von Menschenleben notwendig sind, sowie
die Nutzung des Flughafens von Temesvar genehmigt hat, erklärt, dass Rumänien
„Seite an Seite mit der NATO“ stehen werde, wenn es im Kosovo zu einem
militärischen Konflikt kommen sollte. Die NATO könne für Beobachtungsflüge
den rumänischen Flugraum benutzen, darüber hinaus stünden eine rumänische
Sanitär- und Peacekeeping-Einheit bereit.
April 1999
Da eine Beschiffung der Donau in Jugoslawien wegen Teilen der von der NATO
zerstörten Brücken nicht mehr möglich ist, hängen zahlreiche rumänische
Schiffer (wie auch ihre ukrainischen, russischen und bulgarischen Kollegen)
in süddeutschen, österreichischen und ungarischen Häfen fest und sind auf
die Hilfe der dortigen Behörden bzw. auf Lebensmittelspenden der Bevölkerung
angewiesen.
7. Mai 1999
Papst Johannes Paul II. wird auf dem Bukarester Flughafen von dem
rumänischen Präsidenten Emil Constantinescu und dem Patriarchen Teoctist
empfangen. Der dreitägige Rumänienbesuch ist die erste Reise eines
Oberhauptes der katholischen Kirche in ein Land mit überwiegend
christlich-orthodoxer Bevölkerung (ca. 90%) und soll zum Abbau der
Spannungen zwischen Katholiken und Orthodoxen beitragen. Allerdings wird dem
Papst ein Besuch Siebenbürgens, wo die meisten der rumänischen Katholiken
leben, nicht genehmigt.
12. Juli 1999
Bei einem durch heftige Regenfälle ausgelösten Erdrutsch in der
südwestrumänischen Bergregion Retezat kommen in einer Arbeitersiedlung
mindestens fünfzehn Menschen ums Leben.
14. Dezember 1999
Staatspräsident Emil Constantinescu setzt den christdemokratischen
Ministerpräsidenten Radu Vasile ab und ernennt Nationalbank-Chef Mugur
Isarescu zum neuen Regierungschef, nachdem alle fünf in der Regierung
vertretenen Parteien Vasile das Vertrauen entzogen hatten.
30. Januar 2000
Im Nordwesten Rumäniens nahe Baia Mare (Neustadt) bricht der Damm eines
Auffangbeckens des Goldbergwerkes „Aurul“, das von der australischen Firma
Esmeralda betrieben wird. Rund 100.000 Kubikmeter Giftschlamm, kontaminiert
mit hochgiftigen Zyaniden und Schwermetallen, ergießen sich in einen Zufluss
des Somes und verursachen eine Öko-Katastrophe, die von Umweltexperten als
die schwerste seit dem Atomunfall von Tschernobyl im Jahr 1986 bezeichnet
wird: Die Giftflut gelangt über den Somes (Szamos) am 2. Februar in Ungarn
in die Theiß (Tisza), erreicht am 13. Februar in Jugoslawien die Donau, wenn
auch bereits in einer wesentlich geringeren Konzentration, und schließlich
nach weiteren zehn Tagen das z.T. unter Naturschutz stehende Delta am
Schwarzen Meer – zum Glück mittlerweile so stark verdünnt, dass keine akute
Gefährdung für die dortige Tier- und Pflanzenwelt besteht.
Im Unterlauf des Somes und im Oberlauf der Theiß jedoch ist laut Berichten
der internationalen Umweltorganisation WWF (World Wide Fund for Nature)
praktisch alles Leben vernichtet, und es wird Jahre dauern, bis sich die
Gewässer wieder erholen werden.
15. Februar 2000
Zwischen Rumänien und der Europäischen Union werden – zeitgleich mit
Bulgarien, Lettland, Litauen, der Slowakei und Malta – offizielle
Beitrittsverhandlungen aufgenommen.
4. März 2000
In der Nordsee etwa 60 Seemeilen vor der niederländischen Küste gerät der
rumänische Frachter „Lugoj“ wegen verrutschter Ladung in Seenot und sinkt.
Alle 17 Crewmitglieder können von der niederländischen Küstenwache gerettet
werden.
10. März 2000
Nach einem weiteren Dammbruch in einem rumänischen Bergwerk in Baja Borsa
(etwa 120 östlich von Baia Mare) ergießen sich erneut rund 22.000 Tonnen
schwermetallhaltigen Klärschlamms in einen kleinen Nebenfluß der Theiß.
8. April 2000
Tagelange sintflutartige Regenfälle führen in Rumänien zu schweren
Überschwemmungen. In den Fluten kommen mindestens zehn Menschen ums Leben.
19. Mai 2000
Die Außenminister der osteuropäischen Staaten Albanien, Bulgarien, Estland,
Lettland, Litauen, Makedonien, Rumänien, Slowakei und Slowenien fordern
während eines Treffens in der litauischen Hauptstadt Wilna die NATO auf,
ihren Staaten bis zum Jahr 2002 eine Einladung zur Aufnahme in das westliche
Militärbündnis auszusprechen.
Juni 2000
Der Zusammenbruch des Nationalen Investitionsfonds (FNI) sowie
Zahlungsprobleme der Rumänischen Volksbank (BRP), der größten privaten
Kreditgenossenschaft, führen zur schwersten Finanzkrise Rumäniens seit der
politischen Wende 1989. Von dem Bankencrash sind mindestens 500.000 Rumänen
betroffen.
26. November 2000
Bei den Parlamentswahlen in Rumänien erringt die sozialdemokratische PDSR (Partidul
Democrat Social Roman) von Ex-Staatschef Ion Iliescu 38 Prozent der Stimmen
bzw. 155 von 346 Mandaten (1996: 91 von 343). An zweiter Stelle liegt die
PRM (Partidul Romania Mare/Partei des Großen Rumänien) von Corneliu Tudor
Vadim mit 84 Sitzen (1996: 19).
10. Dezember 2000
Die Stichwahl um das Amt des rumänischen Staatspräsidenten gewinnt
Ex-Staatschef Ion Iliescu (1990-96) mit 67 Prozent der Stimmen gegen seinen
Kontrahenten, den Rechtsextremisten Corneliu Tudor Vadim.
20. Dezember 2000
Ion Iliescu wird als neuer rumänischer Staatspräsident vereidigt. Er tritt
die Nachfolge von Emil Constantinescu an, der nach nur einer Amtszeit auf
eine erneute Kandidatur verzichtet hatte. Zu seinen Hauptzielen erklärt
Iliescu die Fortsetzung der Integration in die Europäische Union und in die
NATO sowie den wirtschaftlichen Aufbau Rumäniens auf der Basis einer
funktionierenden Marktwirtschaft.
28. Dezember 2000
Das rumänische Parlament wählt Adrian Nastase (PDSR) zum Regierungschef.
Auch er nennt die Sanierung der „ausgebluteten Wirtschaft“ als wichtigste
Aufgabe seines Kabinetts.
31. Dezember 2000
Für den Großteil der Bevölkerung in Rumänien hat sich seit dem Sturz der
kommunistischen Diktatur vor elf Jahren so gut wie nichts verändert. Nach
wie vor lebt die große Masse der Rumänen in bitterster Armut. Und das Leben
in Rumänien wird immer teurer: Ein Laib Brot kostet derzeit 5.000 Lei, ein
Liter Benzin 11.000 Lei, ein Kilo Fleisch 90.000 Lei und ein Dacia
(rumänisch-französische Automarke) 70 Millionen Lei. Doch ein Rentner z.B.,
der im Landwirtschaftsbereich gearbeitet hat, erhält nur zwischen 200.000
und 600.000 Lei monatlich und die meisten Arbeiter nicht viel mehr. In
gleichem Maße wie sich das Heer der Arbeitslosen durch die fortschreitende
Privatisierung, die zumeist in Händen der Mafia liegt, vergrößert, wächst
auch die Unzufriedenheit der rumänischen Bevölkerung und ihre Wut gegen
unfähige bzw. korrupte Politiker.
1. Januar 2001
Rumänien schafft die Visapflicht für Bürger der Europäischen Union ab.
20. Januar 2001
Regierungschef Adrian Nastase wird zum Vorsitzenden der PDSR gewählt. (Ion
Iliescu hatte dieses Amt nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten gemäß der
Verfassung niedergelegt.)
Mitte Februar 2001
In Bukarest gehen zahlreiche Mitglieder von Tierschutzorganisationen auf die
Straße und demonstrieren gegen das Vorhaben der Stadtverwaltung, Anfang März
alle herrenlosen Hunde einfangen und töten zu lassen, nachdem deren Zahl
trotz mehrerer Sterilisierungskampagnen auf schätzungsweise rund 200.000
angestiegen ist. Allein im vergangenen Jahr sollen die Streuner über 20.000
Menschen gebissen haben.
20. Februar 2001
Regierungschef Adrian Nastase kündigt die „unverzügliche“ Privatisierung von
rund fünf Dutzend staatlichen Großbetrieben an. Der Verkauf der
Staatsunternehmen ist Teil eines Reformprogramms, das Weltbank und IWF
(Internationaler Währungsfonds) für die Einräumung eines Dreijahres-Kredits
von 1,5 Milliarden US-Dollar zur Bedingung gemacht hatten.
18. Mai 2001
Ex-König Mihai I. (Michael) aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen und seine
Frau Anna von Bourbon-Parma treffen zu einem dreiwöchigen Aufenthalt in
Bukarest ein. Unter anderem will sich der ehemalige Monarch, der 1947 zur
Abdankung und Emigration gezwungen wurde und heute in der Schweiz lebt, zu
Gesprächen mit Staatspräsident Ion Iliescu treffen, der ihm während seiner
ersten Amtszeit (1990-96) stets die Einreise nach Rumänien verweigert hatte.
Erst Präsident Emil Constantinescu (1996-2001) genehmigte dem Paar 1997
einen ersten sechstägigen Rumänien-Besuch.
5. Juni 2001
Bei einem durch Schweißarbeiten an einem Öltank ausgelösten Brand auf einem
unter maltesischer Flagge fahrenden Tanker kommen im rumänischen
Schwarzmeer-Hafen Constanta zwölf Seeleute ums Leben.
7. August 2001
Eine Methangasexplosion in rund 350 Metern Tiefe fordert in einem
Kohlebergwerk im Westen Rumäniens vierzehn Tote.
29. Januar 2002
Die sozialdemokratische Minderheitsregierung von Adrian Nastase und der
Demokratische Verband der Ungarn Rumäniens (UDMR) verlängern ihr Abkommen
zur parlamentarischen Zusammenarbeit um ein weiteres Jahr. Der UDMR
verpflichtet sich, im Verlauf des Jahres keinen Mißtrauensantrag gegen die
Regierung zu stellen bzw. keinen solchen einer anderen Partei zu
unterstützen. Als Gegenleistung erhält der UDMR die Zusage für eine Regelung
der Eigentumsverhältnisse bis Ende 2002. Dabei geht es um Entschädigungen
oder die Rückgabe des von den Kommunisten verstaatlichten Besitzes der
ungarischen Minderheit und der Kirchen aller Konfessionen.
27. März 2002
Die Regierung beschließt die Schaffung einer mit besonderen Befugnissen
ausgestatteten Sonderstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung schwerer Korruption.
Korruption stellt in Rumänien ein gravierendes Problem dar. Allein seit
Anfang des Jahres wurden über 1.000 Fälle aktenkundig. Nicht zuletzt deshalb
fließen die dringend benötigten ausländischen Direktinvestitionen nach wie
vor nur spärlich. Weitere Gründe für die Zurückhaltung vor allem von
mittelständischen Investoren sind die Willkür der Verwaltung und eine
erhebliche Rechtsunsicherheit.
30. April 2002
Beide Häuser des Parlaments billigen eine Zusage von Staatschef Ion Iliescu,
Rumänien werde sich an der internationalen Friedenstruppe in Afghanistan (ISAF)
beteiligen. Man erhofft sich in Bukarest dadurch offenbar eine Einladung zum
NATO-Beitritt und einen klaren Zeitplan für eine Mitgliedschaft in der
Europäischen Union.
21. Februar 2003
Die USA informieren Rumäniens Staatspräsidenten Ion Iliescu offiziell, dass
sie den Flughafen und Militärstützpunkt nahe der südostrumänischen
Hafenstadt Konstanza im Falle eines Feldzugs gegen den Irak als Reservebasis
und für Transitflüge nutzen werden.
Rumänien, das zu den zehn osteuropäischen Staaten gehört, die den USA am 5.
Februar in einer gemeinsamen Erklärung ihre Unterstützung im Irak-Konflikt
zusagten, hat den USA Luftraum, Flughäfen und sonstige Infrastruktur sowie
vier Einheiten der Armee für einen eventuellen Militäreinsatz im Irak zur
Verfügung gestellt. Das rumänische Kontingent soll knapp 300 Soldaten
umfassen, darunter eine Spezialeinheit für chemische und bakteriologische
Waffen, Militärpolizisten sowie eine Pionierheinheit. Die beiden Häuser des
rumänischen Parlaments hatten sich am 12. Februar in einer gemeinsamen
Sitzung mit 351 gegen zwei Stimmen bei 74 Enthaltungen für eine Beteiligung
Rumäniens an einer Militäraktion ausgesprochen. Die Forderung der
rechtsextremen großrumänischen PRM, zunächst eine Entscheidung des
UN-Sicherheitsrates abzuwarten, wurde abgelehnt. Die Abgeordneten und
Senatoren der PRM hatten darauf verwiesen, dass sich ihr Standpunkt völlig
mit dem Deutschlands, Frankreichs und Belgiens decke.
26. März 2003
Im Zuge der bisher größten NATO-Erweiterungsrunde unterzeichnen die sieben
Beitrittskandidaten Estland, Lettland, Litauen, Bulgarien, Rumänien,
Slowenien und die Slowakei die Verträge. Sie werden voraussichtlich im Mai
2004 Mitglieder der Allianz.
22. Oktober 2003
Mit einer überwältigender Mehrheit von 90 Prozent haben sich die Rumänen am
Tag zuvor für eine Verfassungsreform ausgesprochen, die als wichtiger
Schritt des Landes auf seinem Weg in die Europäische Union gilt. Die neue
Verfassung schreibt u.a. das Recht auf Privatbesitz fest,ermöglicht
Ausländern den Erwerb von Immobilien und schafft die Wehrpflicht ab.
Die Wahlbeteiligung lag nach Behördenangaben bei rund 55 Prozent.
Wahlbeobachter und Medien berichteten allerdings über massive
Ungeregelmäßigkeiten bei der Abstimmung. So habe in einem Dorf der
Bürgermeister Rentnern gedroht, ihre Bezüge würden nicht ausbezahlt, wenn
sie nicht zur Abstimmung gingen.
23. Oktober 2003
Die UN-Vollversammlung in New York wählt fünf neue Mitgliedsländer des
Weltsicherheitsrats. Im höchsten Entscheidungsgremium der Vereinten Natonen
werden ab 2004 für zwei Jahre Algerien, Benin, Brasilien, die Philippinen
und Rumänien vertreten sein.
5. Januar 2004
Der neue NATO-Generalsekretär Jakob Gijsbert (Jaap) de Hoop Scheffer sagt im
Brüsseler Hauptquartier, dass sich das Bündnis im Jahr 2004 vor allem auf
seinen Einsatz in Afghanistan konzentrieren werde, wo die NATO das Kommando
über die internationale Unterstützungstruppe ISAF hat, auch wenn ein
stärkeres Engagement im Irak erwartet werde und nicht ausgeschlossen sei.
Jaap de Hoop Scheffer war von 1997 bis 2001 Fraktionsvorsitzender der
niederländischen Christlich-Demokratischen Alianz (CDA) und seit Sommer 2002
Außenminister der Niederlande. Der 55jährige ehemalige Diplomat ist der
dritte Niederländer auf diesem Posten und Nachfolger des Briten George
Robertson, der das Amt vom 5. Oktober 1999 bis 31. Dezember 2003 innehatte.
29. März 2004
Die NATO vollzieht die umfassendste Erweiterung ihrer Geschichte: Die
Regierungschefs der sieben osteuropäischen Staaten Bulgarien, Estland,
Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien besiegeln im Beisein
von US-Präsident George W. Bush und NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop
Scheffer im Weißen Haus in Washington mit der Hinterlegung der
Beitrittsurkunden offiziell die Mitgliedschaft im mächtigsten Militärbündnis
der Welt. Mit den Neulingen wächst die NATO auf 26 Mitglieder. Alle sieben
neuen Mitglieder haben enge Beziehungen zu den USA und haben durchweg den
Irak-Krieg vorbehaltlos unterstützt. Gestützt durch die neuen Mitglieder
erhöhen die USA nun den Druck auf die Verbündeten, einem Einsatz im Irak
zuzustimmen, d.h. US-Außenminister Colin Powell fordert das Bündnis auf, bis
zum Treffen der Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsländer Ende Juni in
Istanbul Möglichkeiten für ein Engagement zu prüfen. Deutschland z.B. hat
bereits unmißverständlich eine klare Absage erteilt.
Rußland hatte sich besorgt über die zweite Runde der NATO-Osterweiterung
nach dem Beitritt der früheren Warschauer-Pakt-Staaten Polen, Tschechien und
Ungarn im Jahr 1999 geäußert, die Ausdehnung des Bündnisses aber
letztendlich hingenommen.