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Rumänien - vom
Armenhaus zum neuen Stern am Investorenhimmel von Peter Schünke
Quelle: DIHK
Mit einem
geschätzten Wirtschaftswachstum
von 8,3 Prozent weist Rumänien 2004 eine der höchsten Wachstumsraten der
Region auf. Die Senkung von Einkommen- und Körperschaftssteuer auf
einheitlich 16 Prozent als erste Amtshandlung der neuen Regierung lässt
auf eine weiterhin positive Entwicklung hoffen.
Am 25. April 2005 soll der Vertrag über den Beitritt Rumäniens zur EU
zum 1. Januar 2007 unterschrieben werden. Brüssel betrachtet Rumänien
mittlerweile als funktionierende Marktwirtschaft. Reformen stehen vor
allem noch in den Bereichen Wettbewerb, Rechtssystem und
Korruptionsbekämpfung aus. Die Fortschritte, die das Land in den letzten
Jahren insbesondere bei der Wirtschaftsentwicklung erzielt hat, sind
jedoch beachtlich. Für deutsche Unternehmen ergeben sich hervorragende
Perspektiven.
Reformen führen zu Wachstum und
Investitionen
Insgesamt ist die rumänische Wirtschaft in den vergangenen fünf Jahren
(2000-2004) um knapp 25 Prozent gewachsen. Die Wachstumsprognose für
2005 beträgt stolze 6 Prozent. Gleichzeitig wird Rumänien für
Investitionen immer attraktiver und auch sicherer. Vor diesem
Hintergrund hat die Rating-Agentur Fitch Ratings Ende letzten Jahres die
Bonität des Landes erstmals auf "investment grade" hochgestuft.
So verwundert es nicht, dass 2004 mit geschätzten 2,5 Milliarden Euro
erstmals die Schwelle von 2 Milliarden Euro beim Investitionszufluss aus
dem Ausland überschritten werden konnte. Die deutschen
Direktinvestitionen beliefen sich für den Zeitraum von 1991 bis Mitte
2004 auf rund 800 Millionen Euro, was rund 9 Prozent des gesamten
ausländischen Investitionskapitals entspricht.
Bei den Investitionen
in Rumänien nimmt Deutschland den dritten Rang nach den Niederlanden und
Frankreich ein. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass eine Reihe
deutscher Unternehmen ihre Investitionen aus konzernrechtlichen Gründen
über ihre Tochterunternehmen in anderen Staaten tätigen, die somit in
den rumänischen Statistiken nicht als deutsche Investitionen ausgewiesen
werden.
Vor allem die Kombination niedriger Kosten mit ausreichend vorhandenen
und gut ausgebildeten Fachkräften macht die Attraktivität des Standortes
aus. Die Stundenlöhne liegen im Schnitt noch unter einem Euro und sind
damit wesentlich günstiger als in den der EU bereits beigetretenen
osteuropäischen Ländern. Darüber hinaus ist das Land mit seinen 22
Millionen Einwohnern potenziell der größte Markt in Südosteuropa, auf
dem der Absatz trotz noch maßvoll steigender Realeinkommen langsam in
Schwung kommt.
Außenhandel mit neuem
Rekordwert
Auf die Entwicklung des Binnenmarktes ist auch das erneute und bei einem
Außenhandelsvolumen von 45 Milliarden Euro mit 7,3 Milliarden Euro recht
deutliches Handelsbilanzdefizit zurückzuführen. Die rumänische Industrie
kann den steigenden Binnenkonsum noch nicht abdecken; neben den
günstigen Lohnkosten ein weiterer Faktor, der zu steigenden
Investitionen im Konsumgüterbereich beiträgt.
Deutschland ist nach Italien zweitwichtigster Handelspartner Rumäniens.
Etwa 15 Prozent des rumänischen Außenhandels werden mit Deutschland
abgewickelt. Das bilaterale Handelsvolumen stieg 2004 im Vergleich zu
2003 um knapp 21 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Deutschland
exportierte 2004 Waren im Wert von rund 4,4 Milliarden Euro (plus 25
Prozent im Vergleich zum Vorjahr), vor allem Maschinen und Fahrzeuge
sowie Vorerzeugnisse. Die rumänischen Exporte nach Deutschland,
vorwiegend Fertigerzeugnisse, insbesondere Textilien und Bekleidung aus
Lohnveredlung, hatten 2004 einen Wert von rund 3,1 Milliarden Euro (plus
16,4 Prozent).
Chancen für deutsche
Unternehmen
In vielen Bereichen gibt es nach den für die Wirtschaft größtenteils
verlorenen 90er Jahren hohen Nachholbedarf. Industrieanlagen und
Infrastruktur müssen modernisiert und Standards und Regulierungen für
den bevorstehenden EU-Beitritt angepasst werden. Allein im Umweltbereich
sollen in den nächsten 15 Jahren rund 29 Milliarden Euro – vorwiegend
aus EU-Mitteln – investiert werden, um das Land an die EU heranzuführen.
In Rumänien werden zum Beispiel kommunale Abwässer meist noch in Flüsse
oder ins Meer geleitet und einheimische Firmen haben im
Umwelttechnikbereich kaum Erfahrungen. Hier bieten sich insbesondere für
deutsche Unternehmen, die nach der Wende in den neuen Bundesländern viel
Know-how sammeln konnten, hervorragende Chancen. Im Umweltbereich wurden
bereits mehrjährige Übergangsfristen mit der EU ausgehandelt, was ein
langfristiges Engagement für ausländische Firmen auch weit über den
Beitrittstermin hinaus sicherstellt.
Die Investitionen
in der verarbeitenden Industrie und im Automobilbereich ziehen weitere
Investitionen in den Zulieferbereichen und im Transport- und
Logistiksektor nach sich. Die deutschen Investitionen seit Ende 2001
wurden zu mehr als einem Drittel im Automobil- und Kfz-Zulieferbereich
getätigt. In der Branche sorgt derzeit der in Rumänien von Renault
produzierte Kleinwagen Dacia Logan für Furore. Auf Grund des positiven
Echos soll der Logan entgegen ursprünglicher Planungen nun auch in
Westeuropa auf den Markt kommen.
Dirk Rütze, Geschäftsführer der im September 2002 gegründeten
Deutsch-Rumänischen Industrie- und Handelskammer in Bukarest ist
zuversichtlich, dass Rumänien die noch ausstehenden Reformen schnell
anpackt und der Beitrittstermin 2007 nicht gefährdet ist: "Die Aussicht
auf den bevorstehenden Beitritt wird die positive Entwicklung
verstetigen. Ich gehe davon aus, dass die EU von der Möglichkeit, den
Beitritt um ein Jahr zu verschieben, keinen Gebrauch machen wird".
Die Kammer fördert die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen und vertritt
alle wichtigen Messegesellschaften vor Ort. Sie hilft deutschen
Unternehmen dabei, Chancen zu erkennen und Risiken zu begrenzen, die in
Transformationsländern auftreten. "In Rumänien werden die Chancen die
Risiken immer mehr in den Hintergrund drängen", so Rütze.
Quelle: DIHK
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