Quelle: Bundesagentur
für Außenwirtschaft
Bauindustrie
Die rumänische Bauwirtschaft wächst mit Raten, die
deutlich über dem allgemeinen Wirtschaftswachstum des Landes liegen. Bis zum
Jahr 2008 sagt die CNP dem Wirtschaftszweig jährliche reale Zuwächse von
9,3% (2005) bis 12,2% (2008) voraus. Die Bauleistungen erreichten 2004 einen
Wert von rd. 5 Mrd. Euro. Nicht darin erfasst ist die große
Schattenwirtschaft. Im Wohnungsbaus soll sich mehr als die Hälfte des
Baugeschehens im "grauen" Bereich abspielen. Der Bedarf an Baustoffen und
Baumaterialien dürfte also wesentlich höher sein als die offizielle
Statistik vermuten lässt.
Entwicklungsgesellschaften intensivieren ihre Aktivitäten am rumänischen
Hochbaumarkt, der besonders in Bukarest und auch in anderen, sich dynamisch
entwickelnden Großstädten (u.a. Temeswara, Cluj, Brasov, Constanta) die für
Transformationsländer typischen Phasen durchläuft. Zunächst werden
Bürogebäude für den Bedarf ausländischer Investoren und führender
inländischer Unternehmen gebaut, danach (wie gegenwärtig in Rumänien) wird
der steigenden Nachfrage nach mittleren und erstklassigen Wohnungen
begegnet, es folgen Handelsgebäude und schließlich Industrie- und
Logistik-Immobilien. Der rasante Anstieg der Preise für Baugrundstücke
(Verdreifachung seit 2003) baut sich indes bereits als Hindernis für die
Entwicklung des Bausektors auf.
Die Zahl der fertig gestellten Wohnungen (2004: 30.127; 1 Halbjahr 2005:
9.999 bei 22,7 Mio. Einwohnern) lässt gleichzeitig erkennen, wie unreif der
rumänische Baumarkt noch ist, auch wenn es sich dabei nur um den offiziellen
Teil handelt. Renovierungsarbeiten halten an den gesamten Bauleistungen rd.
ein Viertel.
Der Tiefbau entwickelte sich 2005 dynamisch (+12,8% nach acht Monaten). Auf
Jahresbasis dürfte ins Gewicht fallen, dass der Bau der
Transsilvanien-Autobahn zum Erliegen kam und Nachverhandlungen mit dem
US-Bau-Konzern Bechtel nötig wurden. Die Regierung Tariceanu setzt indes
auch die Prioritäten neu und gibt nun der Trasse im Korridor IV (in Planung)
klar den Vorrang. Zusätzliche Aufträge kann die Branche 2006 durch den
Wiederaufbau von Infrastruktur und Häusern nach einer Serie von
Überschwemmungen im Jahr 2005 erwarten (Gesamtschäden: rd. 2 Mrd. Euro). Für
die Zukunft plant die rumänische Regierung große Infrastrukturvorhaben, die
mit EU-Fördermitteln vorangebracht werden sollen. Noch gibt es Zweifel an
der Absorptionsfähigkeit für diese Mittel. Im Jahr 2006 will Rumänien für
Autobahnbau-Projekte internationale Kredite (vor allem EIB und EBWE) in Höhe
von 1,4 Mrd. Euro aufnehmen.
Elektrotechnik
Anbieter am rumänischen Markt für Elektrotechnik profitieren noch auf
lange Sicht von der guten Baukonjunktur, der anhaltenden Investitionsdynamik
und auch vom Konsumwachstum. In vielen Bereichen der Elektrotechnik sind in Rumänien in den letzten
Jahren neue Produktionskapazitäten durch ausländische Investoren aufgebaut
worden. Die Gesamtproduktion ist nach dem Schub von 2004 (+15%) im Jahr 2005
aber nur noch mäßig gestiegen. Für die kommenden Jahre prognostiziert CNP
nun jährlich reale Zunahmen von 4 bis 5%.
Große Dynamik in Rumänien zeigen die Bereiche Automatisierung, Mess- und
Kontrolltechnik sowie elektrische Antriebe. Das zeigt sich nicht zuletzt
daran, dass den zunächst gegründeten Vertriebsniederlassungen ausländischer
Anbieter nun auch Investitionen in die Produktion (u.a. von der
US-amerikanische Honeywell) und Joint ventures mit einheimischen
Systemintegratoren vor Ort folgen. Der wachsende Druck, sich EU-Standards
und der Wettbewerbssituation auf dem Binnenmarkt anzupassen, dürfte den
Markt noch auf Jahre hinaus interessant machen. Eine Investition in die
Produktion kleiner Elektromotoren bereitet das US-amerikanische Unternehmen
Emerson vor. Hierfür sollen im siebenbürgischen Cluj insgesamt 75 Mio. Euro
investiert werden.
Die Nachfrage nach Installationstechnik bleibt angesichts der nachhaltigen
Baukonjunktur noch eine Reihe von Jahren dynamisch. Die zunehmende
Bautätigkeit sowie die Privatisierungen am Strommarkt lassen zudem
umfangreiche Investitionen in die Netzinfrastruktur erwarten, die
modernisiert und erweitert werden muss.
Für Medizintechnik rechnet der Branchenverband mit einem jährlichen
Nachfrageplus in den kommenden fünf Jahren von ca. 6%. Der Absatz dürfte
2005 noch auf dem niedrigen Vorjahresniveau (190 Mio. Euro) verharren.
Anbieter wie Philips melden aber auch für 2005 schon erhebliche
Umsatzsteigerungen und die Beteiligung an privaten Krankenhausprojekten.
Durch Gesundheitsreform und EU-Annäherung werden die Perspektiven am zu 90%
von Importen abhängigen Markt sehr positiv bewertet.
Da Rumänien zu den wenigen europäischen Ländern gehört, in denen noch viele
Haushalte keine oder sehr alte elektrotechnischen Hausgeräte besitzen,
werden die Verkäufe langfristig nach oben gerichtet sein. Auch wenn die
Inlandsfertigung in den vergangenen Jahren durch Investitionen der
rumänischen Tehnoton (Herde und Waschmaschinen) und der türkischen Arcelik
(Kühlschränke) erhöht worden ist, hängt die Marktversorgung in den meisten
Sparten nach wie vor stark von Importen ab. Für Konsumgüter
(Unterhaltungselektronik, Hausgeräte und Beleuchtung) meldet Philips Romania
z.B. für die ersten drei Quartale von 2005 Umsatzzuwächse von 28 bis 38%.
Informationstechnologie und
Telekommunikation
Die Analysten erwarten für Rumäniens IT-Markt ein Plus von 11 bis 12% und
für 2006 noch etwas mehr. Wirtschaft und öffentlicher Sektor, die sich auf
die kommende EU-Mitgliedschaft vorbereiten, weiten ihre IT-Käue kräftig aus.
Die starke Landeswährung und die neue Flat-Rate in der Einkommensteuer (16%)
sind ihnen dabei zugute gekommen. Auch die privaten Haushalte kaufen nun
deutlich mehr PC- und Laptops (Bestand Ende 2004: 2,5 Mio. PC). Der IT-Markt
insgesamt hatte 2004 ein Volumen von rd. 770 Mio. Euro erreicht, was
gemessen an der Bevölkerungszahl und im Verhältnis zum BIP (1,8% gegenüber
2,9% der EU-25) sehr niedrig ist. Auf dem Hardware-Markt fallen die
nominellen Zuwächse von 3 bis 4% wegen der fallenden Preise bescheiden aus.
IT-Service- und Software-Sparten zeigen wachsende Dynamik. Sie hatten es
2004 auf einen Umsatz von rd. 320 Mio. Euro gebracht. Die Dienstleistungen
allein sollen bis 2009 jährlich im Schnitt um rd. 17% (IDC-Prognose) bzw. um
über 30% (PAC) expandieren. Systemintegrationen liegen bei der
Service-Nachfrage nun an der Spitze vor Hardware-Support. Für Software
rechnen die Marktanalysten mit Zuwachsraten in der Größenordnung von 12 bis
13%. In EAS (Enterprise Application Software) investieren zunächst vor allem
der privatisierte Versorgungssektor sowie Handels- und
Telekommunikationsunternehmen. Der Markt wird nach den großen
Bankenprivatisierungen einen neuen Schub bekommen.
Rasch zugenommen hat das Outsourcing von Software-Entwicklungen an
Programmierer. Das Jahresgehalt einer Nachwuchskraft lag in der Branche bei
rd. 6.000 Euro. Sie exportiert jährlich Dienstleistungen für rd. 300 Mio.
Euro, bleibt nach Expertenmeinung aber nur noch fünf bis zehn Jahre
wettbewerbsfähig.
Die rumänische Regierung fördert massiv die Elektronisierung und den
Internetzugriff, vor allem das e-Learning. Mit einem 200 Mio. Euro-Programm
sollen alle Schulen bis 2008 mit Computerlabors ausgestattet werden. Die
öffentliche Verwaltung stellt auf e-Government um, wobei bislang hierfür die
technischen Voraussetzungen bei den Nutzern noch nicht erfüllt sind. Aber
die Zahl der Internetanschlüsse hat sich innerhalb des 1. Halbjahrs von 2005
verdoppelt (auf rd. 1,9 Mio.). Es wird geschätzt, dass inzwischen 4 Mio.
Rumänen regelmäßig das Internet nutzen können. In ländlichen Gegenden werden
Telezentren (insgesamt 600 Stück bis 2008) eingerichtet.
Über 6,6% des BIP werden in Rumänien für die Telekommunikation ausgegeben,
in der EU-25 im Vergleich hierzu nur 2,6%. Am gesamten ICT-Markt, der 2004
ein Volumen von 3,7 Mrd. Euro hatte, war die Telekommunikation mit rd. 80%
beteiligt. Der Markt expandiert mit Jahresraten von 14 bis 15%. Die Zahl der
Mobilfunkanschlüsse hat sich 2005 sprungartig erhöht. Die beiden größten
Betreiber, Orange Romania und Connex (Vodafone), hatten Mitte 2005 jeweils
über 5 Mio. Kunden und halten zusammen 96% am Gesamtmarkt mit 11,4 Mio.
Abonnenten. Orange baut derzeit seine Infrastruktur für die EDGE-Technologie
als Vorbereitung für die Telephonie der dritten Generation aus. Im April
2005 sicherten sich Orange und Connex je eine UMTS-Lizenz. Zwei weitere
sollen folgen.
Erst im Mai 2005 ist der Festnetzbetreiber RomTelecom mit ADSL
Breitband-Internet-Diensten auf den Markt gekommen. Die
Kabelfernsehen-Konkurrenz hatte sich schon vorher formiert. Dabei verfolgen
die Anbieter UPC/Astral und RDS&RCS noch umfangreiche Investitionspläne.
Maschinenbau
Aufgrund eines noch immer sehr niedrigen technologischen Standards werden
viele rumänische Betriebe noch auf Jahre hinaus einen großen Nachholbedarf
bei Maschinen und Ausrüstungen haben. Der Investitionsbedarf wird bis 2015
auf rd. 29 Mrd. Euro geschätzt. Moderne importierte Technik, in vielen
Fällen gebrauchte, macht dabei das Rennen. Die Dynamik der
Maschineneinfuhren in den letzten Jahren (2004: +27%; 1. Halbjahr 2005:
+24%) dürfte sogar noch weiter zulegen, so dass sich ihr jährliches Volumen
von rd. 2,6 Mrd. Euro (2004) schon bald verdoppelt haben wird.
Nachfragewachstum erwarten Experten vor allem in dem für Rumänien äußerst
wichtigen, aber sehr rückständigen Agrar- und Nahrungsmittelsektor.
Anpassungs- und Konvergenzmechanismen im Zusammenhang mit dem Beitritt
zwingen zu Investitionen in Land-, Nahrungsmittel- und Verpackungstechnik.
Hierfür stehen Mittel aus Regierungsprogrammen und dem SAPARD-Fonds der EU
bereit (jährlich inzwischen mehr als 200 Mio. Euro). Zwar verbessern sich
auch die Kreditbedingungen am Markt für Kleinbetriebe, aber rd. 50% der
Kleinbauern fristen am Existenzminimum. Größere Investitionen in
Verarbeitungskapazitäten planen Molkereien und Fleischverarbeiter (auch hier
engagierte Ausländer), u.a. um die Veterinär- und Phytosanitäranforderungen
der EU zu erfüllen.
Sehr viel Dynamik zeigt die rumänische Holzverarbeitung, die zu den
Spitzenreitern bei der Industrieentwicklung zählt (Produktionsplus 2004:
40%; Januar bis September 2005: 28%). Investitionspläne in der Branche
verfolgen u.a. die österreichischen Unternehmen Egger und Holzindustrie
Schweighofer, die 2006 mit Projekten (Holzwerkstoffe) im Gesamtwert von 570
Mio. Euro starten wollen. Der Industriezweig verarbeitet jährlich rd. 4,65
Mio. cbm Holz.
Die positive Entwicklung in der Fahrzeugindustrie (Kfz-/Kfz-Teile und
Schiffbau) dürften auch die Nachfrage nach Metallverarbeitungstechnik in den
entsprechenden Sparten beleben. Die Gesamtimporte waren allerdings 2005 (1.
Halbjahr) etwas rückläufig. Außerdem schafft die nachhaltige Baukonjunktur
gute Voraussetzungen für eine lebhafte Maschinennachfrage.
Kfz und Kfz-Teile
Die Märkte für Kfz und Kfz-Teile sind in Rumänien zukunftsträchtig. Im Jahr
2006 werden die Käufe neuer Pkw aber voraussichtlich wenig Bewegung zeigen,
weil Kredit und Leasing beschränkende Maßnahmen die Nachfrage bremsen
dürften. Im Zeitraum von Januar bis Oktober 2005 waren 178.256 neue Pkw und
34.090 neue Nfz in Rumänien verkauft worden und damit bereits um 17,4% mehr
als im gesamten Jahr 2004. Der Fahrzeugimport stieg bis Oktober um 84,5% auf
82.276 Einheiten (im Jahresvergleich). Die Verkäufe inländischer Kfz legten
um 38,5% auf 95.980 Fahrzeuge zu. Der von Renault in Rumänien produzierte
Dacia Logan brachte es in seinem zweiten Jahr bereits auf einen Marktanteil
im Inland von 43,8%. Auf das Potenzial des Pkw-Marktes deutet die Tatsache
hin, dass gegenwärtig nicht einmal jeder fünfte Rumäne ein eigenes Auto
besitzt.
Von dem im Niedrigpreisniveau angesiedelten Logan will die Renault-Gruppe im
Traditionswerk Dacia Automobile 2005 rd. 150.000 Fahrzeuge produzieren und
den Ausstoß 2006 auf 200.000 Fahrzeuge erhöhen. Zudem könnten künftig auch
weitere Pkw-Modelle in Rumänien hergestellt werden. Renault (für
Nissan-Fahrzeuge) und vor allem Mitsubishi zeigen Interesse an der Übernahme
des Automobilwerks in Craiova, einem Joint Venture mit Daewoo, aus dem sich
der koreanische Autobauer nach Ablauf der GM-Lizenz im Januar 2006 und auch
der rumänische Staat zurückziehen wollen.
Für Kfz-Teile ist vor allem West- und Mittel-Rumänien zu einem attraktiven
Produktionsstandort für ausländische und insbesondere deutsche Hersteller
geworden. Sie entscheiden sich für Investitionen in Rumänien wegen der
niedrigen Löhne, gut ausgebildeter Arbeitskräfte und einer
Verkehrsanbindung, die Just-in-Sequence-Lieferungen nach West-Europa
zulässt. Die Exporte der Branche beliefen sich 2004 auf rd. 800 Mio. Euro
(deutsche Hersteller: rd. 630 Mio. Euro). Experten erwarten, dass die
Standortvorteile auch nach dem EU-Beitritt erhalten bleiben. Neue
Investitionen sind in der Pipeline (u.a. von Eaton Corporation, Trelleborg,
Calsonic Kansei (Japan) und Brose).
Chemiesektor
Rumäniens Chemiemarkt befindet sich in einem Internationalisierungs- und
Aufholprozess, der ausländischen Anbietern noch auf längere Sicht besonders
gute Lieferchancen bietet. Das 2005 vorgelegte Tempo beim Zuwachs der
Importe (nominal voraussichtlich +22%, in Euro) dürfte 2006 etwas
nachlassen. Die Einfuhren organischer Chemikalien und Kunststoffe legten im
1. Halbjahr 2005 um 35 bis 40% zu, die Importe von Agrarchemikalien, von
sehr niedriger Basis aus, noch erheblich schneller.
Für Arzneimittel hat sich das Wachstum der Einfuhren 2005 auf rd. 18% (nach
über 30% im Jahr 2004) verlangsamt. Generika nehmen inzwischen einen
Marktanteil von 80% ein. Mehr als zwei Drittel der Medikamentennachfrage
wird durch Importe gedeckt. Die prekäre Finanzlage im Gesundheitswesen bei
ohnehin problematischer Zahlungsmoral setzt dem Tempo der Expansion aber
Grenzen.
In anderen verbrauchsnahen Chemiebereichen verläuft die Anpassung weniger
stürmisch, beispielsweise für Kosmetika und Waschmittel (Importe 2005: +12
bis +13%; Einzelhandelsumsätze: +22%), obwohl der Verbrauch insgesamt noch
sehr niedrig ist. Baunahe Chemieerzeugnisse haben in Rumänien noch auf Jahre
hinaus exzellente Absatzaussichten. Hoch- und Tiefbau werden längerfristig
zweistellige Wachstumsraten vorausgesagt. In Sparten wie Farben und Lacke,
die auch im Inland hergestellt werden, sind vermehrt Spezialitäten gefragt.
Die inländischen Hersteller werden mehr Pigmente und Grundstoffe nachfragen.
Erhöhten Bedarf an importierten Kunststoffen bringt nicht zuletzt die
Dynamik in der Herstellung von Verpackungsmitteln, Kfz-Teilen und
synthetischen Fasern mit sich. Insgesamt hat die Produktion der Kunststoff
verarbeitenden Industrie Rumäniens 2005 aber stagniert und im Folgejahr
wächst sie voraussichtlich nur mäßig (lt. Staatlichem Prognoseinstitut, CNP:
+3%). Das größte inländische Petrochemieunternehmen, der PVC-Hersteller
Oltchim, wird im 1. Halbjahr 2006 erneut zur Privatisierung angeboten.